Der Koffer als Symbol

"Der Koffer für Geberit kommt bullig daher. 
Wie ist das Design entstanden?"


"Der Auftrag kam über die Firma Plaston AG in der Schweiz. Plaston ist ein führender Hersteller von Kofferlösungen in Kunststoff, und die hatten die Anfrage von Geberit. Wir wiederum sind bekannt als Spezialisten für die Entwicklung von Kunststoffkoffern. Da haben die Plaston-Leute angefragt, ob wir das Projekt gemeinsam machen wollen. Wir kannten uns ja schon sehr gut aus den vorausgegangenen Projekten."

"Wie muss man sich so ein Projekt vorstellen?"

"Gestartet wird meistens mit einem Workshop. Dort erhalten wir verschiedene Informationen und stellen Fragen. Oft moderieren wir den Workshop, arbeiten mit verschiedenen Kreativitätstechniken und skizzieren die Ideen direkt vor Ort. Je nach Ausgang des Workshops geht es dann weiter in die Konzeption und Spezifikation. Im Workshop selbst sollte die Definition des Projekts so weit als möglich vorangebracht werden."

"Das würde ich jetzt gerne etwas genauer wissen. Was heißt Definition des Projekts?"


"Bei Geberit haben wir mit einem technischen Workshop gestartet. Der war relativ umfangreich. Da waren Mitarbeiter der Geberit Vertriebs GmbH, der Plaston AG, dem ahape Team, Installateure und Endverbraucher dabei. Hier wurden alle wichtigen Funktionen des zukünftigen Koffers bestimmt und ein erstes Lastenheft erstellt.

Dann gab es noch einen zweiten Tag. Nur das Kernteam aus Geberit, Plaston und uns. An diesem Tag wurden dann die Größe des Koffers definiert und erste Ideen zur Gestaltung des Koffers vor Ort skizziert."

"Mal eine ganz andere Frage: Geberit ist doch der Hersteller in der Sanitärtechnik. Systeme für die Vorwandinstallation, Trinkwasser- und Abwasserinstallation, Spülsysteme und einiges mehr. Für was brauchen die einen Koffer?"

"Ja, das eine gute Frage. Für die eigentlichen Produkte von Geberit braucht es keinen Koffer. Aber es gibt spezielles Montagewerkzeug von Geberit, um die ganze Rohrinstallation zu kürzen, zu verbinden, Gewinde zu schneiden und so weiter. Man spricht da von Presswerkzeugen, und die sind umfangreich und schwer. Bisher hatte Geberit einfach Koffer am Markt eingekauft. Mit dem neuen Koffer sollte die Marke Geberit dominant auf der Baustelle präsentiert werden. Die Markenpräsenz von Hilti diente da sicher als Orientierung."

"Ah ja, verstehe. So ein Koffer ist mehr als nur Aufbewahrung für die Werkzeuge. Ist ja eigentlich logisch, dass die Marke damit ideal präsentiert wird. Wie ging es dann im Projekt weiter?"

"In der Konzeption, so heißt die nachfolgende Phase, erstellten wir dann viele Handskizzen. Nach unterschiedlichen Auswahlkriterien wurden dann so etwa 3 - 5 Konzepte erstellt und vorgestellt.
Bei diesem Koffer galt es, die Botschaften "höchste Qualität und Innovation in der Sanitärtechnik" mit dem Design zu vermitteln.
Zudem gab es funktionale Anforderungen wie z.B. das hohe Gewicht der Presswerkzeuge von über 20 kg. Wenn der Koffer aus einem Meter auf den Boden knallt, darf er nicht zerbersten. Das muss ein Kunststoffkoffer erstmal aushalten. Über 20 kg wollen auch getragen, aus dem Regal gezogen, vom Lieferwagen gehoben werden, usw. Bei diesen Anforderungen kam uns die Idee des zweiten Griffes an der Seite. Auf alle Fälle wurden die verschiedenen Konzepte vorgestellt und in Abstimmung mit dem Auftraggeber wurde dann ein Konzept ausgewählt."

"Die Skizzen sind ja schon sehr aussagekräftig. Gehen die dann direkt an die Konstruktion, um das Produkt weiter zu entwickeln?"


"Das wäre durchaus möglich. Es gibt Auftraggeber die nur Konzeptskizzen wollen. Im Fall von Geberit haben wir das Konzept spezifiziert. Das heißt, wir haben den Entwurf im CAD genau aufgebaut, um dann fotorealistische Bilder zu erstellen.
Wobei ich hier gerne sage; alles was designrelevant ist, wird im CAD aufgebaut. Der Auftraggeber erfährt dann genau wie das Produkt aussehen wird und die Konstruktion hat es später auch einfacher, weil die Rahmendaten schon vorhanden sind.

Geberit konnte so die damals einmalige Besonderheit der seitlichen Griffe, den markanten Schriftzug und die umlaufende starke Verrundung, mit der Assoziation zu Rohren, sehen. Das ist gut angekommen.

"Wenn ich es richtig verstehe, dann gibt es unterschiedliche Arten von CAD?"

"Na ja, in der Software nicht. Wir arbeiten im Design mit der gleichen Software wie in der Konstruktion. Allerdings legen wir bei der Spezifikation den Schwerpunkt auf alle designrelevanten Punkte. Geht es dann in die Konstruktion, diese Phase heißt bei uns übrigens Realisation, dann wird das Produkt in allen Details auskonstruiert. Also Toleranzen, Wandstärkenoptimierung und mechanische Abstimmung. Für fotorealistische Bilder spielt es keine Rolle, ob eine Wandstärke 2,0 oder 3,0 mm hat oder ob es eine Toleranz von 0,2mm gibt.

"Das verstehe ich. Klingt sinnvoll. Habt Ihr denn den Koffer dann auch konstruiert?"

 "Für andere Auftraggeber gehört dies zum Umfang unserer Leistungen. Bei diesem Projekt stand die Firma Plaston im Hintergrund und die hat eine eigene Konstruktionsabteilung mit extrem hohen Knowhow. Also kein Job für uns.

Plaston hat den Koffer dann konstruiert und danach produziert. Bei uns steht ein Muster in der Ausstellung und der Koffer macht was her. Alles top."

"Bleibt zum Abschluss die Frage, wer war von ahape dabei"

"Die Projektleitung hatte Herbert Pauser. Er hat auch die Workshops moderiert. Eckhard Ruoff war als Designer bei den Workshops dabei und hatte die Verantwortung bei Konzeption und der Spezifikation. Alles super effektiv. Die Kosten spielen ja auch immer eine Rolle."