Erfolgsrezept Projektplan

"Board-Geschirr für Lufthansa. Ist das nicht eine Art Ritterschlag für einen deutschen Designer?"

"Ja. Das war schon toll. Bis dahin gab es ja nur drei Designer vor uns. Wilhelm Wagenfeld, Nick Roericht und Wolfgang Karnagel. Später erfuhren wir dann von Dieter Rams, Franco Clivio und Hartmut Esslinger, dass sie sich auch am Bordgeschirr versucht hatten."

"Das sind ja alles absolute Designgrößen. Wieso habt ihr damals, als unbekanntes Designbüro, überhaupt den Auftrag bekommen?"

"Ich glaube es gab zwei Gründe. Wir hatten unser Büro damals in Offenbach, also in unmittelbaren Nachbarschaft, und hörten, dass Lufthansa ein neues Board Geschirr entwickeln wollte. Da haben wir uns einfach beworben, sind tatsächlich eingeladen worden und haben uns anscheinend gut präsentiert. Entscheidend war definitv unser Projektplan, den wir dem Angebot beigefügt hatten. Lufthansa wollte das Board-Geschirr ein Jahr nach Auftragsvergabe einführen. Wir sagten, dass geht nicht. Ihr braucht mindestens zwei Jahre. Lufthansa fragte, wieso? Die anderen Agenturen können das in einem Jahr! Wir sagten darauf: Ja, wir können das auch in einem Jahr, aber ihr als Lufthansa schafft das nicht in einem Jahr. Schaut Euch unseren Projektplan an und sprecht das mit Euren Abteilungen durch. Zwei Wochen später erhielten wir einen Anruf und hatten den Auftrag.

"Krass. Wie seit ihr darauf gekommen, nicht einfach, wie die anderen, ein Jahr zuzusagen?"

"Na ja, wir kannten die Strukturen bei Lufthansa ein wenig und wussten, dass Entscheidungen hier nicht so schnell getroffen werden. Dann haben wir einfach die notwendigen Entscheidungen berücksichtigt, jeweils 14 Tage für diese Entscheidungen eingeplant und dann waren schon 4 Monate rum. Werkzeugbau und Produktionszeit für Kunststoffteile in millionenfacher Stückzahl - mehr als 6 Monate. Da ist das Jahr schon fast gelaufen. Unsere Zeiten noch dazu, ein paar Loops. Also es war einfach klar, das ging nicht in einem Jahr."

"Wie lange hat es dann gedauert?"

"Wir hatten zwei Jahre geplant und es hat dann drei Jahre gedauert. Im Jahr 2001 wurde das Bord-Geschirr eingeführt. 12 Abteilungen waren beteiligt und bei unseren Projekt-Meetings waren immer so um die zwanzig Personen involviert. 50% des Projekts waren Kommunikation innerhalb der Abteilungen. Design unter ästhetischen Gesichtspunkten spielte dabei eine extrem untergeordnete Rolle. Arbeitssicherheit, Logistik, Catering etc., das waren die Themen."

"Was war das Schönste an diesem Projekt?"

"Das kann ich gar nicht in einem Satz sagen. Da waren so viele außergewöhnliche Situationen, das würde ein Buch füllen. Vielleicht, als ich später mal mit Lufthansa nach Osaka geflogen bin. Ich hatte meine Familie dabei und als dann das Essen serviert wurde, zeigten die Kinder mit den Fingern auf mich und riefen laut: Das Gerschirr hat der Herbert gemacht.  Hua, Stolz und Peinlichkeitsröte stiegen gleichzeitig in mein Gesicht und ich duckte mich tief hinter meinen Sitz. Aber stolz war ich schon.